UNERHÖRT INTIM

von Leilah Assumpção
in der Übersetzung von Angela Meermann

Es ist der ganz normale Wahnsinn: ein Paar, seit 27 Jahren verheiratet, trennt sich und kommt dann die nächsten 30 Jahre immer wieder zusammen auf der Suche nach ihrer verlorenen Liebe. Die Bühne gleicht einer Black Box in der die zwei Personen agieren, ohne einmal die Bühne zu verlassen, ohne Kostümwechsel und ohne Perücke und Schminke, um auf "alt zu spielen". Ein "Experimentierraum" in dem Mann und Frau auf die Signale des Alters und des Verfalls reagieren und bei aller gegenseitigen Kränkung und Verletzung die Essenz ihrer Beziehung, jenseits von Verliebtsein, Sex und Kinderkriegen, herausbekommen wollen.

In "Unerhört intim" greift Leilah Assumpção im Rahmen einer Komödie ein Thema auf, das nicht nur in Brasilien brisant wird: das Alter und Sex im Alter. In einem Land, das sich als jung versteht und in der die Jugend ein Fetisch ist, gelingt es der Autorin in Form einer Komödie, auf fantasievolle und berührende Weise, existentielle Fragen aufzuwerfen, die nicht spezifisch "brasilianisch", sondern schlicht universell sind.

Leilah Assumpção hat mit "Unerhört Intim" ihr fünfundzwanzigstes Stück geschrieben. 2001 in São Paulo uraufgeführt, wurde es mehrmals in Rio sowie auch in Lissabon im Teatro Tivoli gespielt. Zur Zeit läuft das Stück in Rio und eine weitere Spielzeit in Lissabon für den Herbst 2005 ist geplant.

Leilah Assumpção begann während der Militärdiktatur (1964 bis zur allmählichen politischen Öffnung und Redemokratisierung - abertura - in den 80er Jahren) zu schreiben - Fala baixo senão eu grito (Sprich leise, sonst schrei ich, 1969) und Roda Cor de Roda (Das rosarote Karussell, 1975) waren ihre ersten beiden Stücke, in denen sie selbstkritisch die fragwürdig gewordenen Strukturen überkommener Beziehungsformen, der Sexualität und des Rollenverständnisses der Frau in der reaktionären, auf Traditionen pochenden brasilianischen Gesellschaft analysiert. Trotz erheblicher Widerstände und anfänglicher Zensur gelang es Leilah Assumpção - teils unter abenteuerlichen Umständen - ihrer Stimme in der kulturellen Wüste, die der berüchtigte Ato Institucional No.5 (AI-5), eine Art Ermächtigungsgesetz, hinterlassen hatte, Gehör zu verschaffen. Sie wurde sehr bald bekannt und gehört heute zu den etablierten Theaterautoren Brasiliens.mit: Sylvia Eisenberger und Christian Mey

Regie: Isabella Hübner
Bühne/ Kostüme: Claudia Weinhart
Dramaturgie: Petra Maria Grühn
Licht: Hans Peter Boden
Ton: Ralph Tritschler
Abendtechnik: Martin Schnell
Öffentlichkeitsarbeit: Katharina Schöfl

Premiere: 02. November 2005

UNERHÖRT INTIM ist eine Produktion der COMPAGNIE ANTÉROS

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